In den 1940er Jahren wurde ein komplett neues Dorf im Süden von Teneriffa in der Nähe von Abades aus dem Boden gestampft. Wohnen sollten hier Menschen mit einem besonders tragischen Schicksal: Sie litten unter der damals unheilbaren und ansteckenden Krankheit Lepra. Warum des dazu nie kam, und alles über die Geschichte des „Sanatorio de Abona“ erfahrt ihr hier.

 


 

 

Die Infektionskrankheit Lepra wird von einem Bakterium ausgelöst, übertragen wird sie durch Tröpfcheninfektion. Die Krakheit  führt langfristig zum Absterben von Nerven und dem Verstopfen von Gefäßen. Meist wurden die Infizierten von der Gesellschaft ausgestoßen.

Mehrere hundert Menschen waren damals auf Teneriffa mit Lepra infiziert. Sie sollten im neuen „Sanatorio de Abona“ – so der offizielle Name der Lepra-Station – leben und ärztlich versorgt werden. Doch warum wurde dort nie jemand behandelt und die Station nie fertiggestellt?

Der westliche Eingang der Lepra-Kolonie.
Der westliche Eingang der Lepra-Kolonie.
Kurz dahinter befindet sich dieses Gebäude.
Kurz dahinter befindet sich dieses Gebäude.

Unter anderem sollten Wohnhäuser, Gemeinschaftsgebäude, eine Schule, eine Krankenstation, ein Krematorium und eine Kirche entstehen. Das Projekt schritt zunächst schnell und wie geplant voran. Doch noch während des Baus wurde das Sanatorium plötzlich überflüssig.

Neue Medikamente konnten Lepra bekämpfen und die Ansteckung verhindern. Der Bau des Sanatoriums wurde gestoppt, ohne dass je ein Patient einzog. Die halbfertigen Gebäude blieben verlassen zurück. 

Hier findet ihr mein Video vom Sanatorio de Abona:

Zwischenzeitlich nutzte das Militär das Gelände zu Übungszwecken. Das erklärt auch die vielen Einschusslöcher, die an einigen der Gebäude zu sehen sind. Im inneren der Bauten sammeln sich Schutt und Müll. In einem der Wohngebäude hat jemand wohl vor einigen Jahren eine riesige Ladung Konservendosen abgeladen – entsprechend widerlich ist der Gestank dort. Die übrigen Gebäude sind jedoch weitgehend „ekelfrei“ und meist auch problemlos zugänglich.

Die Patienten sollten in zahlreichen dieser Gebäude untergebracht werden.
Die Patienten sollten in zahlreichen dieser Gebäude untergebracht werden.
Das Innere der Gebäude ist zum Teil vermüllt.
Das Innere der Gebäude ist zum Teil vermüllt.

Wie bei allen Lost Places gilt natürlich auch hier: Verbotsschilder sollten respektiert werden. Ob ein Betreten erlaubt ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Achtet auch jeden Fall auf Löcher im Boden oder auch hervorstehende Stahlarmierungen und ähnliches. Bei einigen Gebäuden sind durch den ständigen sandigen Wind die unteren Teile von Mauern teilweise schon sehr in Mittleidenschaft gezogen wurden, so dass hier durchaus das Risiko von Einstürzen bestehen kann.

In diesem Gebäude sollten Gemeinschaftseinrichtungen untergebracht werden.
In diesem Gebäude sollten Gemeinschaftseinrichtungen untergebracht werden.
Dies hier dürfte eine Waschküche gewesen sein.
Blick in die Haupthalle der alten Fabrik: Nach der Schließung wurden hier Softair-Duelle ausgetragen.

Weithin sichtbar ragt noch heute die halbfertige Kirche der Anlage in den Himmel. Sie befindet sich auf einer leichten Anhöhe und ist auch von der in der Nähe vorbeiführenden Autobahn gut zu erkennen.

Im inneren der Kirche gelangt man über Treppen auf eine Zwischenebene von der man in den unvollendeten Altarraum blicken kann. 

Hier findet ihr eine Bildergalerie mit vielen Fotos der Leprakolonie auf Teneriffa (Klick auf die Bilder führt zur Großansicht):

An so gut wie allen Gebäude haben sich außen und innen zahlreiche Graffiti-Künstler verewigt. Die Bandbreite reicht dabei von simplen Tags bis zu eindrucksvollen Gemälden. 

Generell ist die Stimmung an diesem Lost Place aufgrund der Geschichte des Sanatorio de Abona  zwar ein wenig bedrückend, aber grundsätzlich sind fast alle Gebäude relativ hell, düstere Keller oder Gänge gibt es nicht. Zumindest habe ich keine entdeckt.

Schon von weitem ist das Betongerippe der Kirche zu erkennen.
Schon von weitem ist das Betongerippe der Kirche zu erkennen.
Blick in den Altarraum der Lost-Place-Kirche.
Blick in den Altarraum der Lost-Place-Kirche.

Wie es mit dem Gelände und den Gebäuden weitergehen soll, ist aktuell ungewiss. Vor einigen Jahren gab es Pläne für eine komplette Umgestaltung des Geländes zu einem riesigen Hotelkomplex mit mehreren 1000 Betten. Die Kanarische Regierung stoppte das Projekt unter anderem aus Umweltschutzgründen.

Die Leprakolonie von Abades – Erreichbarkeit und Parkmöglichkeiten

Erreichbar ist dieser Lost Place sehr gut mit dem Auto. Er liegt östlich des Ortes Abades. Von dort lässt sich alte Kirche auf der Anhöhe gut erkennen. Parken könnt ihr in einer der Straßen der Ortschaft. Alternativ könnt ihr auch aus Richtung Osten an die Anlage heranfahren. Hier könnt ihr direkt vor dem Eingangstor parken. Plant dann aber etwas mehr Fußmarsch ein, um die Wohnhäuser und die Kirche zu erreichen.

Lage des Sanatorio de Abades